Zwei Brüder, eine Frau und eine Entscheidung zwischen Liebe und Unsterblichkeit. Mit «Castor et Pollux» schuf Jean-Philippe Rameau eine Oper, die bereits bei ihrer Uraufführung 1737 eine Welle der Begeisterung auslöste. In der opulenten Inszenierung von Adriana Altaras wird der antike Mythos zum packenden Drama über Loyalität, Verlangen und Opferbereitschaft.
In Sparta regieren zwei ungleiche Brüder gemeinsam: Castor ist sterblich, Pollux als Sohn Jupiters unsterblich. Beide lieben Télaïre, die sich für Castor entscheidet, während Pollux eigentlich Télaïres Schwester Phébé versprochen ist. Als Castor im Krieg fällt, bittet Pollux seinen göttlichen Vater, den Bruder aus der Unterwelt zurückzuholen. Doch die Rettung hat ihren Preis: Pollux müsste an Castors Stelle in die Unterwelt hinabsteigen. Es beginnt ein schmerzhafter Konflikt zwischen Loyalität und eigener Sehnsucht, den nur Jupiter selbst auflösen kann.
Rameau vereint in diesem Werk jene kompositorische Raffinesse, die ihn berühmt machte. Virtuose Gesangslinien, reiche Harmonik und fein nuancierte Klangfarben zeichnen die seelischen Zustände der Figuren mit grosser Intensität nach.
Theater Winterthur
Theaterstrasse 6, 8400 Winterthur
MUSIKALISCHE LEITUNG
Christopher Moulds
INSZENIERUNG
Adriana Altaras
BÜHNE
Sir Tony Cragg
CO-BÜHNENBILDNERIN
Verena Hammerstein
KOSTÜME
Nina Lepilina
CHOR
Roman David Rothenaicher
DRAMATURGIE
Matthias Heilmann
Website: Staatstheater Meinungen
Fotos: Christina Iberl
Für alle ab 14 Jahren.
Nach einem Libretto von Pierre-Joseph Bernard, Fassung von Jens Neundorff von Enzberg.
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Preis: CHF 95, 80, 60
Insgesamt ein viel beklatschter zweistündiger Barock-Abend, zumal Dirigent Christopher Moulds beim etwas staatstragenden und zeremoniellen Rameau kaum Pathos aufkommen liess. Das flirrte und funkte, das war ein flinker Galopp, auch dank des spielfreudigen Chors und der unbekümmerten Solisten, die nicht in Ehrfurcht erstarrten, allen voran Sara-Maria Saalmann als Phébé, Emma McNairy als Télaire und Tomasz Wija als Pollux. BR Klassik
Ein besonderes Highlight der Inszenierung ist das Bühnenbild. Die Darstellerinnen und Darsteller bewegten sich auf der Bühne zwischen Skulpturen und Skizzen des bekannten Künstlers Tony Cragg. Es ist ein klassisches Thema, das die prominente Regisseurin Adriana Altaras in Meiningen modern und zeitgemäß aufbereitet hat. Altaras' Regie ist schnörkellos, zielt auf Verständlichkeit ab. MDR Kultur
Adriana Altaras Personenregie, Roman David Rothenaichers Chor und der von Tony Cragg konzipierte Raum sind in CASTOR ET POLLUX am Staatstheater Meiningen einzigartig schlüssig. Die Rameau-Oper über Bruderliebe, Unterwelt und Unsterblichkeit steigert sich bis ins Phantastische. Die Deutsche Bühne